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Wenn Frau etwas zu sagen hat: Das Leben aus weiblichem Blick!

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Autorin
Dolores Pieschke
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Website:www.dolores-pieschke.de

Geheimnisse der Märchen

Stand: März 2020

Führen uns die vielfach beliebten Märchen bewusst hinters Licht? Wollten uns die Altvorderen mit dem, was als urdeutsches Kulturgut gilt, schlichtweg auf den Arm nehmen?

Dieser Frage ist eine Autorin aus Karow nachgegangen. Dabei kam sie auf überraschende Erkenntnisse!
Anstoß war das weltbekannte Märchen „Hänsel und Gretel“ der Gebrüder Grimm.
„Die Hexe lässt Hänsel immer ein Glied herausstecken, um zu prüfen, ob er dicker geworden ist. Das ist eine Frau in den besten Jahren, die ziemlich einsam im Wald sitzt. Welche Frau, mit Verstand, prüft am kleinen Finger, ob ein Jüngling für ihre Zwecke taugt?“, schmunzelt Dolores Pieschke. Als gelernte Tierärztin hat sie natürlich einen geübten Blick für die Triebe der Natur.

Mit Mutter auf die Schulbank
Ausgerechnet dieser Beruf führte die Karowerin, wenngleich auf Umwegen, zum Schreiben: „Ich arbeitete im Staatlichen Veterinärmedizinischen Prüfungsinstitut, das Tierarzneimittel auf Wirksamkeit untersuchte. Nach der Wende wurde es aufgelöst. Ich hatte plötzlich viel freie Zeit. Da packte mich die frühere Leidenschaft zum Fabulieren. Um das Handwerkszeug zu erlernen, schrieb ich mich mit meiner Mutter Ilse Panzer bei der Volkshochschule Pankow für einen entsprechenden Kurs ein. Sie ist gelernte Journalistin und hatte mich schon als Kind für den Umgang mit Texten sensibilisiert“, erinnert sich Dolores Pieschke zurück.

Starke Ossi-Frauen
Erstes Werk war eine Wendegeschichte: „Es ging um eine Frau, die plötzlich alleine mit den Kindern dastand und sich durch die neue Zeit boxen musste, weil der Mann die vermeintliche neue Freiheit im Westen genießen wollte“, fasst sie zusammen. Sie sieht ihre Stärke darin, die Welt aus „Frauensicht“ zu beschreiben. Allerdings hat sie kein Problem mit dem „starken Geschlecht“ und als „Emanze“ sieht sie sich ebenfalls nicht. „Ich hatte eine harmonische Ehe. Leider ist mein Mann verstorben“, gibt sie Einblick.

Gute Fee und Kreditkarte
Nach der Erzählung, in der die „starke Ossi-Frau“ sich durchsetzt, stieß sie auf „Hänsel und Gretel“. Anschließend erkannte sie, welch „kluge Ratschläge für die moderne Frau in Familie, Beruf und Gesellschaft“ in Märchen wie „Aschenputtel“ stecken, wenn man nur das richtige Potenzial herausarbeitet. „Wir Frauen sollen uns emanzipieren, aufmüpfig sein, und uns nicht bevormunden lassen. Wo Aschenputtel eine gute Fee hatte, hast du eine Kreditkarte!“

Versteckte Erotik
Da hat sie der weibliche Instinkt offenbar in eine ganz neue Richtung geführt. „Ich habe dabei insgesamt um die 30 Märchen neu bearbeitet. Die meisten stammen aus dem Fundus der Gebrüder Grimm. Ich traf aber ebenso in Texten aus ‚1001 Nacht‘ auf versteckte Erotik.“ Durch „Rübezahl“ entdeckte sie Johann Karl August Musäus wieder.
„Den kennt heute keiner mehr. Dabei hat er im ausgehenden 18. Jahrhundert viele Märchen und Sagen zusammengetragen“, klärt sie auf. „Ich habe ein paar Märchen von Hans Christian Andersen bearbeitet, nur mit Ernst Moritz Arndt kann ich einfach nichts anfangen, der packt mich nicht, obwohl ich es mehrmals versucht habe.“

Neue Liebe für Rapunzel
Der frauliche Blick spürt aber viel mehr als versteckter Erotik hinterher: „Bei Rapunzel habe ich das Märchen weitergedacht. Sie sitzt jetzt plötzlich mit ihrem Turm nicht mehr allein im Wald, sondern inmitten eines Häusermeers. Ihre Bäume mussten Gebäuden weichen. Also sieht sie sich um und kann einen Feuerwehrmann bezirzen, der sie mit der Drehleiter herunterholt. Sie schneidet sich den Zopf ab und startet in ein neues Leben.“
Die fraulichen Interpretationen aus Karow finden sich als „Märchen Updates“ veröffentlicht. Ob die beiden Enkel dabei manchmal Pate gestanden haben? „Der Junge ist 13 Jahre, das Mädchen 15. Sie lesen gern, nur nicht meine Texte“, bedauert Dolores Pieschke.

Humor an Weihnachten
Überhaupt sind die Ergebnisse ihrer Bearbeitung wenig kindgerecht: „Ich mache damit nur vor Erwachsenen Lesungen“, erklärt sie. Mittlerweile ist sie ins Gedichtfach gewechselt und hat den eigenen Lyrikband „Tagsüber und anderswo“ herausgegeben. Für den musste sie beim Karower „Treibgut Verlag“ von Frank Schroeder tief in die Tasche greifen. „Im Gegenzug habe ich aber knappe zehn Euro an Tantiemen erhalten“, gibt sie Einblick in heutige Verlag­s­praxis. Das hat sie nicht davon abgehalten, das Fest, das als Inbegriff der Rührseligkeit gilt, mit dem humoristischen Buch „Wenn Weihnachten ins Auge geht“ mal ordentlich auf die Schippe zu nehmen. Kommt als nächstes jetzt der „große Roman“, von dem Autoren ja meist träumen? „Ich kann kurze Texte viel besser und habe zwei dicke Leitz-Ordner voller Geschichten, die aber noch reifen müssen“, erteilt sie hier eine Absage.

Heiße Schnecke
Übrigens arbeitet sie neben ihren eigenen Texten im Verein „Schreibart“ am Erhalt der Werke der „Zirkel schreibender Arbeiter“ der DDR. „Wir haben über 3 000 Autoren und mittlerweile 16 000 Dokumente erfasst. Darunter befindet sich der spätere Drehbuchschreiber und Autor Reinhard Kettner oder Lutz Seiler, der mit seinem Roman ‚Kruso’ den Deutschen Buchpreis erhalten hatte“, beschreibt sie eine weitere Seite ihres literarischen Engagements.
Bestimmt gibt es hier viele Manuskripte, die auf die weibliche Hand aus Karow warten! Hoffentlich geht es ihnen besser als der Schnecke Edna. „Die hat sich frischen Schleim aufgelegt und sich wohl­riechend parfümiert. Du nennst das vielleicht Sexuallockstoff. Aber würdest du zu Douglas gehen und sagen: ‚Ach bitte, ich möchte Sexuallockstoff von Nina Ricci‘? Leider hat sich ein fehlgeleiteter Hund auf sie gestürzt, schließlich durchziehen Irrtümer die Menschheitsgeschichte!“
Nachzulesen ist dies wie viele weitere Beispiele in die Arbeit dieser ungewöhnlichen Autorin auf ihrer Internetseite, über die man zudem ihre Bücher bequem beziehen kann.
Besonders Schreiblustige können in ihre Schreibgruppe „Wortakrobaten“ kommen, die sich an jedem 1. Dienstag im Turm in der Busonistraße trifft.